Historie der Versicherergemeinschaft 
für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer
Die Gründung und Entwicklung der heutigen Versicherergemeinschaft 
für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer ist historisch in die bewegte Wirtschaftsgeschichte Deutschlands, und insbesondere des Berufsstands der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater eingebunden.
Vorgeschichte: Entstehung einer neuen Haftpflichtversicherung

Der spektakuläre Zusammenbruch der Frankfurter Allgemeinen Versicherungs-AG veranlasste im Jahr 1931 den Gesetzgeber, die obligatorische Bilanzprüfung für Aktien- und Versicherungsgesellschaften einzuführen. Zuständig für die Pflichtprüfungen waren die Angehörigen des neu geschaffenen Berufsstandes der Wirtschaftsprüfer. Da sie für mögliche Vermögensschäden hafteten, schloss der ebenfalls neu gegründete Berufsverband der Wirtschaftsprüfer (IDW) mangels entsprechender Alternativen in Deutschland mit Lloyd’s of London eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung ab.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 führte zu Konflikten zwischen dem nationalsozialistischen Juristenbund (NSRB) und dem IDW. Der Juristenbund wollte die Berufsangehörigen in seiner Organisation zentralisieren und schloss zur Jahreswende 1933/1934 mit Lloyd’s einen Vertrag ab, der auch Bücherrevisoren, Steuerberatern und sonstigen Wirtschaftstreuhändern offenstand. Das IDW durfte keine Neuabschlüsse mehr tätigen. Gleichzeitig verlangte der dramatische Devisenmangel im Deutschen Reich 1934 eine inländische Lösung. Nun waren auch deutsche Versicherer bereit, mit Wirtschaftsprüfern eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen: In der 1935 gegründeten „Haftpflicht-Versicherungsgemeinschaft für Wirtschaftstreuhänder“ arbeiteten 18 Versicherer mit dem IDW zusammen. Als sich diese Gemeinschaft Anfang 1936 auflöste, stieg der NSRB erneut in die Versicherung ein. Er initiierte den „Wirtschaftstreuhänder-Pool 1936. Alle Neuabschlüsse wurden nun über den NSRB geleitet. Er vertrat auch die Berufsangehörigen in der Poolkommission.

Gründung der „Versicherungsstelle für Wirtschaftstreuhänder“

1937 verpflichtete das Reichswirtschaftsministerium neu zugelassene Wirtschaftsprüfer und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erstmals zum Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung.

Durch ministeriellen Erlass vom 15.07.1938 entstand die „Versicherungsstelle für Wirtschaftstreuhänder“. Der NSRB war damit nicht mehr in die Versicherungsabwicklung eingebunden, die Versicherungsstelle diente als „neutrale Stelle“ zwischen Versicherern und Versicherten und war für alle Berufshaftpflichtfragen zuständig. Ihr zentraler Arbeitsausschuss war paritätisch mit Vertretern des Berufsstandes und der Versicherergemeinschaft besetzt und beriet über alle wichtigen Themen. Die Versicherungsstelle übernahm den gesamten Geschäftsverkehr mit den Versicherten von der Antragsannahme bis zur Schadensbearbeitung. Ihr Büro eröffnete sie im Geschäftssitz der Nordstern in Berlin-Schöneberg.

Im Nordsternhaus in Berlin-Schöneberg hatte die Versicherungsstelle ihren ersten Geschäftssitz.

1940 wurde die Versicherungspflicht auf vereidigte Bücherrevisoren und 1941 auf alle Wirtschaftsprüfer und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ausgeweitet. Die Mindestversicherungssumme betrug 100.000 Reichsmark, für Wirtschaftsprüfungsgesellschaften mit mehr als sechs Wirtschaftsprüfern 300.000 Reichsmark.

Das IDW überwachte die Einhaltung der Versicherungspflicht. 11 Versicherungsgesellschaften beteiligten sich an der Gemeinschaft unter Führung der Nordstern.

Die Versicherungsstelle Wiesbaden in den Anfangsjahren der Bundesrepublik Deutschland

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges übernahmen die Siegermächte die Regierungsgewalt und teilten Deutschland in vier Zonen. Die sowjetische Militäradministration verstaatlichte das Versicherungswesen; viele Versicherer und Wirtschaftsprüfer zogen nach Westdeutschland – auch die Versicherungsstelle.

Dr. Franz Leyers von der Nordstern ergriff die Initiative zum Neuaufbau der Versicherungsstelle. Im Herbst 1949 errichtete sie ihre Zentrale in Wiesbaden und die sie tragende Versicherergemeinschaft konstituierte sich auf neuer Basis. Die zeitgleich neu errichtete Dr. Franz Leyers KG bearbeitete für die Gemeinschaft die Versicherungsverträge und fertigte Policen unter dem Namen „Versicherungsstelle für das wirtschaftliche Prüfungs- und Treuhandwesen“ aus. Delegierte der Versicherer und der Wirtschaftsprüfer bildeten einen Arbeitsausschuss, der in den folgenden Jahren um Vertreter der vereidigten Buchprüfer und Steuerberater erweitert wurde. Der Charakter der Versicherungsstelle als eine von Versicherern und Versicherten gemeinsam geschaffenen neutralen Mittlerstelle gblieb erhalten.

Dr. Franz Leyers ergriff nach dem Zweiten Weltkrieg die Initiative zum Neuaufbau der Versicherungsstelle.

Als Dr. Franz Leyers 1960 in Ruhestand ging, bekräftigten die Versicherer und das IDW sowie die Berufsverbände der vereidigten Buchprüfer und der Steuerberater ihre Zusammenarbeit. Die Versicherer wollten auch künftig die Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung für Berufsangehörige des Prüfungs- und Treuhandwesens gemeinsam mit den Berufsvertretern betreiben.

Die Versicherungsstelle zwischen Wirtschaftswunder und neuen Berufsgesetzen

Die Ende 1961 in Kraft getretenen Berufsgesetze für prüfende und steuerberatende Berufe bestätigten die Versicherungspflicht für Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer und führten sie für Steuerberater und Steuerbevollmächtigte erstmals ein.

1968 schuf die Verordnung über die Berufshaftpflichtversicherung für Wirtschaftsprüfer eine klare Basis für die Pflichtversicherung und brachte als folgenreiche Neuerung die Ablösung des Anspruchserhebungsprinzips (claims-made-Prinzip) durch das Verstoßprinzip. Mit dem international üblichen claims-made-Prinzip war nur versichert, was der Berufsträger während der Vertragslaufzeit an beruflichem Fehlverhalten bei seiner Versicherung anzeigte.

Beim Verstoßprinzip hingegen ist versichert, was der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater während der Laufzeit des Versicherungsvertrages an beruflichem Fehlverhalten verursachte. Die Leistungspflicht des Versicherers besteht daher auch nach Beendigung des Versicherungsverhältnisses oder nach dem Tod des Versicherten fort. Das Spätschadenrisiko trägt der Versicherer, mit dem zum Zeitpunkt des Berufsversehens ein Versicherungsvertrag besteht. Damit entspricht das Verstoßprinzip besser der wirtschaftlichen Existenzsicherung der Berufsangehörigen und auch den Schutzinteressen der Mandanten. Für die Versicherergemeinschaft hatte der Wechsel zum Verstoßprinzip gravierende Folgen: Es erforderte die Bildung einer Spätschadenreserve.

Die Versicherungsstelle in Zeiten sich verändernder Märkte

In den 1980er Jahren stellten die an der Gemeinschaft beteiligten Versicherer und die Bundeskammern, die Ende der 1960er Jahre statt der Berufsverbände als Vertreter der Berufsangehörigen in das Abkommen mit den Versicherern eingetreten waren, ihre Zusammenarbeit auf eine neue Basis. Auch nach dieser Vereinbarung wurde der regelmäßige Informationsaustausch der Versicherungsstelle mit Vertretern der Versicherer und der Berufsangehörigen im Versicherungsausschuss fortgeführt und wird dies bis heute.

Ein immer wieder diskutiertes Thema in den 1980er und 1990er Jahren war die Einbringung von Versicherungsverträgen der vereidigten Buchprüfer aus den Beständen der Versicherer in die Versicherergemeinschaft. Als infolge des Bilanzrichtliniengesetzes der Beruf der vereidigten Buchprüfer 1986 erneut eröffnet und insbesondere aus dem Kreis der Steuerberater Berufsangehörige zu Buchprüfern bestellt wurden, sprachen sich die Vertreter der Wirtschaftsprüferkammer für eine Einbringung dieser Versicherten in die Versicherergemeinschaft aus. Nach der Wiedervereinigung im Jahr 1990, als Kammern und Verbände der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater den Aufbau prüfender und steuerberatender Berufe in den fünf neuen Bundesländern unterstützten, kam das Thema erneut auf die Tagesordnung. Die betroffenen Versicherungsgesellschaften brachten in der Folge zum Jahrtausendbeginn ihre Versicherungsverträge für vereidigte Buchprüfer in die Versicherergemeinschaft ein.

Die Versicherungsstelle im neuen Jahrtausend

Das neue Jahrtausend brachte für die Versicherungsstelle viele Veränderungen. Die Versicherer beschlossen eine Tarifsanierung auf der Grundlage der Berechnung unabhängiger Aktuare, um im Interesse der Versicherten und ihrer Mandanten auch für die Zukunft soliden Schutz vor finanziellen Schäden zu gewährleisten. Der Tarifsanierung folgten ein neues Nachlasssystem und weitere strukturelle Veränderungen. Zudem trat ein Positionswechsel bei der „Führenden“ ein. Im Jahr 2003 übernahm die Allianz die Führung der Versicherergemeinschaft.

Seit 2003 führt die Allianz Versicherungs-AG die Versicherergemeinschaft.

Die Versicherungsstelle etablierte sich nach der Jahrtausendwende auch als Versicherer im Ausland. Ausländische Versicherungsnehmer sind regelmäßig Netzwerkpartner deutscher Prüfungsgesellschaften, die seit vielen Jahren bei der Versicherungsstelle versichert sind. Die Versicherung ausländischer Kunden erfordert länderspezifisches Know-how unter Einbeziehung der jeweiligen nationalen Rechtslage. Die Versicherungsstelle hat dazu die erforderliche Expertise für den komplexen Bereich der Berufshaftung und deren Versicherung in den jeweiligen Ländern gebildet.

Seit dem Jahr 2018 führt die Versicherergemeinschaft die Bezeichnung „Versicherergemeinschaft für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer“ und die Abkürzung „VSW“. Die Versicherergemeinschaft wird von drei der bedeutenden Versicherungen getragen. Dies sind die Allianz Versicherungs-AG, AXA Versicherung AG, ERGO Versicherung AG.

Kompetenz durch jahrzehntelange Spezialisierung: Im Archiv der VSW

Aus unserer Geschichte erklärt sich die Spezialisierung, Struktur und partnerschaftliche Kooperation der VSW mit dem Berufsstand. Diese Merkmale ermöglichen der VSW zusammen mit der Finanzkraft der beteiligten Versicherer auch in Zukunft individuelle Versicherungslösungen, kompetente Beratung und entsprechend qualifizierte Schadenssachbearbeitung.

Das illustrierte Buch mit der ganzen Geschichte lassen wir wir unseren Versicherungsnehmern gerne auf Anfrage zukommen.