{"id":323,"date":"2013-12-09T12:04:00","date_gmt":"2013-12-09T11:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/v-s-w.de\/?post_type=sm_news&#038;p=323"},"modified":"2026-10-21T17:55:44","modified_gmt":"2026-10-21T15:55:44","slug":"steuerschaetzung-steuerschaden","status":"publish","type":"sm_news","link":"https:\/\/v-s-w.de\/en\/mitteilungen\/steuerschaetzung-steuerschaden\/","title":{"rendered":"Steuersch\u00e4tzung = Steuerschaden?"},"content":{"rendered":"\n\t<div id=\"\" class=\"sm-text  sm-module sm-module--boxed offset-top--none offset-bottom--md\" data-aos=\"fade-in\">\n\t\t<div class=\"module__inner\">\n\t\t\t<div class=\"text\">\n\t<div class=\"text__content\"><h1 class=\"content__headline\">Steuersch\u00e4tzung = Steuerschaden?<\/h1><div class=\"content__text\"><p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Finanzbeh\u00f6rden sind zur Steuersch\u00e4tzung berechtigt, wenn vom Steuerpflichtigen keine oder fehlerhafte Ausk\u00fcnfte zu den tats\u00e4chlichen Besteuerungsgrundlagen erteilt werden und eigene Ermittlungen des steuerlich relevanten Sachverhalts durch das Finanzamt zu keinem verwertbaren Ergebnis f\u00fchren.<\/strong><\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>In der Steuerberatungspraxis stellen sich im Zusammenhang mit der Sch\u00e4tzung von Besteuerungsgrundlagen nach \u00a7 162 AO h\u00e4ufig Fragen bez\u00fcglich der Vermeidung von m\u00f6glichen Haftungsrisiken. Diesem Thema widmet sich der folgende Beitrag.<\/strong><br>Erfahrungsgem\u00e4\u00df neigen Mandanten nach Erhalt eines Sch\u00e4tzungssteuerbescheids nicht selten dazu, die festgesetzten Steuern als Steuerschaden anzusehen und konfrontieren den steuerlichen Berater mit Regressforderungen.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>HINZUSCH\u00c4TZUNG DURCH DAS FINANZAMT<\/strong><br>Dabei sollte beachtet werden, dass das Finanzamt mit der Steuersch\u00e4tzung das Ziel verfolgt, die Besteuerungsgrundlagen ann\u00e4hernd zutreffend zu ermitteln und nicht die unterbliebenen Mitwirkungspflichten des Steuerpflichtigen durch die Festsetzung von Mehrsteuern zu sanktionieren, um diesen zur Abgabe von Steuererkl\u00e4rungen anzuhalten (vgl. BFH, Urteil vom 20.12.2000, AZ: 1 R 50\/00; BB 2001, 1020, 1022).<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine steuerliche Mehrbelastung aufgrund von Hinzusch\u00e4tzungen durch das Finanzamt kann also nur dann einen Schaden im zivilrechtlichen Sinn darstellen, wenn die tats\u00e4chlichen Eink\u00fcnfte oder Betriebseinnahmen niedriger sind, als diejenigen, die Grundlage eines Sch\u00e4tzungssteuerbescheids sind.<br>Die Finanz\u00e4mter versuchen h\u00e4ufig im Rahmen der Schlussbesprechung einer Betriebspr\u00fcfung, eine tats\u00e4chliche Verst\u00e4ndigung \u00fcber die H\u00f6he der gesch\u00e4tzten Besteuerungsgrundlagen zu erzielen. Sofern der Mandant dazu seine Zustimmung erteilt, k\u00f6nnen sp\u00e4ter keine Regressanspr\u00fcche gegen den Steuerberater geltend gemacht werden.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Fall kann dem Mandanten entgegengehalten werden, dass dieser im Rahmen der Schadensminderungspflicht gehalten gewesen w\u00e4re, z. B. durch Vorlage der Buchhaltungsbelege, den Nachweis zu f\u00fchren, dass die tats\u00e4chlichen Einnahmen niedriger waren und dies ggf. auch in einem Einspruchsverfahren oder finanzgerichtlichen Verfahren zu kl\u00e4ren.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Problematisch wird dies in den F\u00e4llen, in denen der Mandant aufgrund des Fehlens von Buchhaltungsbelegen nicht dazu in der Lage ist und dem Berater vorwirft, daf\u00fcr verantwortlich zu sein, dass keine f\u00fcr den Mandanten vorteilhafte korrigierte Gewinnermittlung vorgelegt werden kann.<br>Nach der Rechtsprechung schuldet der Steuerberater aber nicht die Erstellung einer Buchhaltung, die in jeder Hinsicht vom Finanzamt \u00fcbernommen wird.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Einhaltung der Grundaufzeichnungspflichten \u00fcber Bareinnahmen, Ausgaben, etc. und die Aufbewahrung der entsprechenden Belege, wie z. B. eines Kassenbuchs, tr\u00e4gt allein der Mandant die Verantwortung (OLG D\u00fcsseldorf, Urteil vom 18.10.1984, AZ: 18 U 124\/84; DStR 1985, 281 f.). Dies folgt f\u00fcr bilanzierungspflichtige kaufm\u00e4nnische Betriebe unmittelbar aus den Grunds\u00e4tzen ordnungsgem\u00e4\u00dfer Buchf\u00fchrung (\u00a7\u00a7 238, 243 HGB) und ordnungsgem\u00e4\u00dfer Aufbewahrung von Unterlagen (\u00a7 257 HGB).<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Gewerbetreibende, die zur Gewinnermittlung eine Einnahme\u00fcberschussrechnung erstellen, kann nichts anderes gelten, da die Aufzeichnung der t\u00e4glichen Gesch\u00e4ftsvorf\u00e4lle nicht auf den Steuerberater \u00fcbertragen werden kann, der in der Regel auf Grundlage der vom Mandanten vorgelegten Belege nur die Buchhaltung aufarbeitet und den Jahresabschluss erstellt.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>VERMEIDUNG VON HAFTUNGSRISIKEN<\/strong><br>Auch wenn dies f\u00fcr die t\u00e4gliche Beratungspraxis als aufwendig erscheinen mag, empfehlen wir zur Vermeidung von Haftungsrisiken, insbesondere nichtkaufm\u00e4nnische Gewerbebetriebe \u00fcber die Einhaltung der Grundaufzeichnungspflichten regelm\u00e4\u00dfig entweder schriftlich zu belehren oder m\u00fcndliche Beratungen zumindest intern durch Aktenvermerke zu dokumentieren. Dies kann z. B. zu Beginn eines Mandatsverh\u00e4ltnisses erfolgen oder bei der Jahresabschlussbesprechung. Vor der Vereinbarung einer tats\u00e4chlichen Verst\u00e4ndigung mit dem Finanzamt sollte der Mandant umfassend \u00fcber die M\u00f6glichkeit des Nachweises von Mindereinnahmen belehrt werden. Auch in diesem Fall empfehlen wir, Beratungen schriftlich festzuhalten.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Restunsicherheiten sollte in Erw\u00e4gung gezogen werden, dem Mandanten zu raten, gegen von ihm als nachteilig empfundene Sch\u00e4tzungssteuerbescheide im Einspruchsoder Finanzgerichtsverfahren vorzugehen. Eine steuerliche Mehrbelastung aufgrund einer finanzgerichtlich \u00fcberpr\u00fcften und f\u00fcr rechtm\u00e4\u00dfig befundenen Hinzusch\u00e4tzung nach \u00a7 162 AO kann zivilrechtlich nicht als ersatzf\u00e4higer Schaden angesehen werden. Ist die Hinzusch\u00e4tzung jedoch unberechtigt, so w\u00e4re sie durch das Finanzgericht aufzuheben (vgl. LG Hamburg, Urteil vom 29.1.2010, 3040189\/09).<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>HINZUSCH\u00c4TZUNG DURCH DEN BERUFSTR\u00c4GER<\/strong><br>Vorsicht ist ebenfalls geboten, wenn durch den Steuerberater gegen\u00fcber dem Finanzamt Zusch\u00e4tzungen f\u00fcr Mandanten vorgenommen werden, um f\u00fcr diesen m\u00f6gliche steuerstrafrechtliche Nachteile abzuwenden. Der Steuerberater muss die Wahrscheinlichkeit des Nachweises von Mehrerl\u00f6sen pr\u00fcfen, ehe er Zusch\u00e4tzungen vornimmt und den Mandanten umfassend belehren. Im Absehen von einer Zusch\u00e4tzung liegt jedenfalls solange keine Empfehlung zu einer Steuerhinterziehung, wie Mehreinnahmen eher unwahrscheinlich sind (BGH, Urteilvom 20.6.1991, IX ZR 226\/90; Juris).<\/p><\/div><\/div><\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>","protected":false},"template":"","categories":[4],"class_list":["post-323","sm_news","type-sm_news","status-publish","hentry","category-kundenmagazin"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.8 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Steuersch\u00e4tzung = Steuerschaden? - VSW - Versicherungsgemeinschaft f\u00fcr Steuerberater und Wirtschaftspr\u00fcfer<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/v-s-w.de\/en\/mitteilungen\/steuerschaetzung-steuerschaden\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"en_US\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Steuersch\u00e4tzung = Steuerschaden? 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