{"id":1203,"date":"2005-03-01T09:00:08","date_gmt":"2005-03-01T08:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/v-s-w.de\/mitteilungen\/das-zeitmoment-bei-der-beratung\/"},"modified":"2026-10-21T17:44:53","modified_gmt":"2026-10-21T15:44:53","slug":"das-zeitmoment-bei-der-beratung","status":"publish","type":"sm_news","link":"https:\/\/v-s-w.de\/en\/mitteilungen\/das-zeitmoment-bei-der-beratung\/","title":{"rendered":"Das Zeitmoment bei der Beratung"},"content":{"rendered":"\n\t<div id=\"\" class=\"sm-text  sm-module sm-module--boxed offset-top--none offset-bottom--md\" data-aos=\"fade-in\">\n\t\t<div class=\"module__inner\">\n\t\t\t<div class=\"text\">\n\t<div class=\"text__content\"><h1 class=\"content__headline\">Das Zeitmoment bei der Beratung<\/h1><div class=\"content__text\"><p class=\"wp-block-paragraph\">In der Rechtsprechung ist anerkannt, dass der Berater umfassend zu beraten hat und m\u00f6gliche Alternativen aufzeigen muss. Auch eher fernliegende Gestaltungsm\u00f6glichkeiten m\u00fcssen in die \u00dcberlegungen einbezogen werden. H\u00e4ufig stellt sich die Problematik bei bevorstehenden Gesetzes\u00e4nderungen, die rasches Handeln notwendig machen. Gleiches kann sich aus dem Zeitpunkt der Beratung und deren Realisierung ergeben.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielfach tr\u00e4gt sich der Mandant seit l\u00e4ngerem mit dem Gedanken, Teile seines betrieblichen oder privaten Verm\u00f6gens auf die Kinder zu \u00fcbertragen. Der Entschluss wird vielfach erst nach Jahren umgesetzt. Dieses Zeitmoment kann unter haftpflichtrechtlichen Gesichtspunkten relevant werden. Das OLG Stuttgart hat durch zwischenzeitlich rechtskr\u00e4ftiges Urteil vom 14.3.2000 \u2013 12 U 111\/99 entschieden, dass der Berater verpflichtet sein kann, darauf zu dr\u00e4ngen, Verm\u00f6gens\u00fcbertragungen alsbald vorzunehmen und nicht zuzuwarten.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im entschiedenen Fall beabsichtigte der Mandant, seinem Sohn GmbH-Anteile zu schenken. Auf Anfrage teilte der Berufsangeh\u00f6rige dem Mandanten im Jahre 1995 mit, dass der g\u00fcnstigste Zeitpunkt f\u00fcr die Schenkung von GmbH-Anteilen an den Sohn eigentlich schon verpasst sei. Im Jahre 1997 kam es schlie\u00dflich zur \u00dcbertragung der GmbH-Anteile.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahre 1995 waren die Verlustjahre vorbei, in den Folgejahren wurden wieder Gewinne erzielt. Die Anteilswerte stiegen von 833 DM je 100 DM Stammkapital auf 2.052 DM. Dem Berufsangeh\u00f6rigen wird vorgeworfen, die zahlenm\u00e4\u00dfigen Auswirkungen aus der damaligen Betriebspr\u00fcfung dem Mandanten nicht hinreichend dargestellt zu haben. Aus der zu sp\u00e4t vorgenommenen Schenkung der GmbH-Anteile resultiere eine vermeidbar hohe Schenkungsteuer.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Feststellungsklage war in allen Instanzen erfolgreich.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das OLG f\u00fchrt aus, der Steuerberater habe im Rahmen seines Auftrages die Pflicht, die Interessen seines Mandanten umfassend wahrzunehmen und dessen steuerliche Belastung so gering wie m\u00f6glich zu halten. Er habe sich hierbei \u00fcber den relevanten Sachverhalt durch Befragen des Mandanten umfassend und vollst\u00e4ndig zu informieren, ihn auf dieser Basis zu belehren und ersch\u00f6pfend zu beraten. Hierzu geh\u00f6re, dass der Steuerberater auch ungefragt \u00fcber alle bedeutsamen steuerlichen Entscheidungen und deren Folgen unterrichten m\u00fcsse. \u00dcber mehrere zur Verf\u00fcgung stehende Gestaltungsm\u00f6glichkeiten und deren Vor- und Nachteile habe eine umfassende Aufkl\u00e4rung zu erfolgen. Der Steuerberater habe grunds\u00e4tzlich den sichersten Weg zu beschreiten.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Pflichtwidrigkeit sei in dem Beratungsgespr\u00e4ch vom 20.11.1995 anzusiedeln.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eBei diesem Anlass w\u00e4re es aber geboten gewesen, dem Kl\u00e4ger nochmals eingehend unter Heranziehung des bei der Betriebspr\u00fcfung bekannt gewordenen und im Schlussberichts des Finanzamts festgehaltenen Zahlenmaterials die Chancen und Risiken beider Handlungsalternativen im Einzelnen vor Augen zu f\u00fchren. (\u2026)<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Steuerberater darf sich nicht damit begn\u00fcgen, dem Mandanten lediglich pauschal eine Einsch\u00e4tzung der voraussichtlichen Ertragslage der Gesellschaft mitzuteilen und den Mandanten ohne ausreichende Tatsachengrundlage mit der letztlich von ihm selbst zu treffenden wirtschaftlichen Entscheidung allein zu lassen.\u201c<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gericht ist zu der \u00dcberzeugung gelangt, dass unter Ber\u00fccksichtigung des Umfangs der Unterrichtungs- und Beratungspflichten des Steuerberaters festzuhalten sei, dass in der konkreten Beratungssituation von den beiden in Frage stehenden Handlungsalternativen nur die Vornahme der Schenkung noch im Jahre 1995 in Betracht gekommen w\u00e4re. Damit liege im Ergebnis die Beweislast f\u00fcr die Kausalit\u00e4t einer Pflichtverletzung bei der Beklagten, da nach dem damaligen Kenntnisstand vom 20.11.1995 eine gleichwertige Handlungsalternative dergestalt, mit der Schenkung noch zuzuwarten, nicht ernsthaft in Betracht gekommen sei.<br> \u201eEs bestand zum einen bei dem Kenntnisstand des Zeugen Dr. H. vom November 1995 eine \u00e4u\u00dferst geringe Wahrscheinlichkeit daf\u00fcr, dass sich der gemeine Wert der Gesellschaftsanteile in den Folgejahren noch weiter nach unten entwickeln w\u00fcrde. (\u2026) Er musste deshalb bei einer Gesamtschau insgesamt davon ausgehen, dass trotz nicht ganz ausschlie\u00dfbarer Risiken (\u2026) im Jahr 1995 die endg\u00fcltige Wende in der Ertragslage der Gesellschaft geschafft war und deshalb mit einer k\u00fcnftigen Erh\u00f6hung des gemeinen Wertes der Anteile der GmbH zu rechnen war.\u201c<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gericht weist noch darauf hin, dass bei einer Schenkung in 1995 noch die negativen Ergebnisse von Vorjahren bei der Bewertung eingeflossen w\u00e4ren.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Beratung im vorliegenden Fall war im Grundsatz nach Auffassung des OLG Stuttgart unzureichend und unvollst\u00e4ndig. Der Berufsangeh\u00f6rige h\u00e4tte sich intensiver mit dem Ergebnis der Betriebspr\u00fcfung und den vorliegenden Zahlen befassen m\u00fcssen. Da nach der Auffassung des Senats die alsbaldige Schenkung nur als einzige Beratungsalternative letztlich im Raum stand, konnte eine Verurteilung nicht verhindert werden.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mitgeteilt von der Versicherungsstelle Wiesbaden, Versicherergemeinschaft f\u00fcr das wirtschaftliche Pr\u00fcfungs- und Treuhandwesen.<\/p><\/div><\/div><\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>","protected":false},"template":"","categories":[7],"class_list":["post-1203","sm_news","type-sm_news","status-publish","hentry","category-fachzeitschriften"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.8 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Das Zeitmoment bei der Beratung - VSW - Versicherungsgemeinschaft f\u00fcr Steuerberater und Wirtschaftspr\u00fcfer<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/v-s-w.de\/en\/mitteilungen\/das-zeitmoment-bei-der-beratung\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"en_US\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Das Zeitmoment bei der Beratung - 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